| Viele Jahrzehnte
vor dem Internet haben sie sich ein globales und drahtloses Netzwerk aufgebaut:
die Amateurfunker.
Etwa 5000 sind es in der Schweiz, drei Millionen weltweit. Doch wären
da nicht hier und dort auf Dächern oder Masten Antennen, man würde
sie glatt übersehen – die Amateurfunker. Sie wirken im Hintergrund,
ohne Olympiade, Doping oder Sponsoren.
Ihr Wettkampfplatz heisst Shak, es ist die Funkbude mit den Hightech-
Sende- und - Empfangsgeräten, die die drahtlose Kommunikation mit
gleich Gesinnten auf der ganzen Welt ermöglichen. Und da gibt es
keine Grenzen, weder territorial noch ethnisch oder religiös; da
unterhält sich der Handwerker auch mit dem Professor oder dem Staatsoberhaupt.
Nicht ohne Lizenz
Amateurfunk ist ein anspruchsvolles Hobby, es erfordert eine solide Ausbildung
mit staatlich vorgeschriebener Prüfung. Kenntnisse in E! lektro-,
Hochfrequenzund Antennentechnik sind gefragt, dazu kommen Betriebstechnik,
Vorschriften und eventuell auch noch Morsen. Die Ausbildung kann autodidaktisch
erfolgen, einfacher und sicherer ist der Besuch einer Amateurfunker- schule.
Nach bestandener Prüfung – Prüfungsinstanz ist das
Bakom – erhält man ein international individuelles Rufzeichen.
Für die Schweiz gilt für Amateure HB9 gefolgt von drei Buchstaben
( bei Flugzeugen z. B. HB-, gefolgt von drei Buchstaben). Wer sein Rufzeichen
hat, darf Antennen bauen und Sendegeräte in Betrieb nehmen. Sogar
Selbstbau ist erlaubt. Allerdings sind die Antennen heute ( gemäss
Verordnung über die nicht ionisierende Strahlung, NIS) bewilligungspflichtig,
die Hochfrequenzfeldstärken müssen innerhalb der Grenzwerte
bleiben.
Vergnügen und Ernstfall
Wenn man dann aber loslegen kann, öffnet sich ein weites Betätigungsfeld.
Im einfachsten Fall ist das eine VHF/ UHF- Funkstation ( FM- UKW), die!
mit minimalem Antennenaufwand auskommt und auch mobil betrieb! en werden
kann ( im Auto, Boot oder auf der Wanderung). Damit erreicht man mit Sendeleistungen
von 5 bis 50 Watt bereits beträchtliche Distanzen.
Da die Wellenausbreitung auf Sichtdistanz beschränkt ist, haben Amateurfunker
auf vielen Höhenzügen Relaisstationen aufgebaut. Wie wertvoll
solche Netzwerke sind, zeigte sich beim letzten Unwetter in Engelberg,
wo Amateurfunker fürs Erste die ausgefallenen Festnetz- und Mobiltelefonverbindungen
ersetzen konnten. Eine besondere Faszination geht von den weltweiten Verbindungen
aus. Dafür stehen den Amateuren im Kurzwellenbereich international
geregelt mehrere exklusive Frequenzbänder zur Verfügung. Wer
hier eintaucht, wird schnell vom Virus befallen, hier ist Operating gefragt,
nun entscheidet sich, ob man den Empfänger beherrscht und den Sender
korrekt abstimmt. Das Erfolgserlebnis ist unvergleichlich, wenn der Funkspruch
des Kollegen vom Boot in der Karibik « hereinkommt » oder
man ihn auf der Reise im nördlich! sten Zipfel Schottlands begleitet.
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Morsen gibts immer noch
Dabei ist der Amateur nicht auf Sprechfunk
angewiesen. Das im kommerziellen Funkbetrieb ausgestorbene Morsen ist
in Amateurkreisen beliebt – Tendenz sogar wieder steigend. Es ist
nicht nur Nostalgie, es geht um eine ganz besondere und höchst effiziente
Betriebsart. Beim Morseverkehr reichen für weltweite Verbindungen
oft kleinste Sendeleistungen von wenigen Watt. Dazu kommt, dass man sich
dank international standardisierten Abkürzungen sehr schnell auch
über Sprachgrenzen hinweg verständigen kann in einer Art Amateur-
Esperanto.
Auch Kurzwellenverbindungen können im Katastrophenfall von Nutzen
sein. So hatte beispielsweise die indische Amateurin Bharathi Prasa nach
der Tsunami- Flut ein Kommunikationsnetzwerk für die betroffenen
Inselgruppen der Andamanen und Nikobaren aufgebaut.
Faszination und Vielseitigkeit
Sprechfunk und Morsetelegrafie sind aber bei ! weitem nicht die einzigen
Betätigungsfelder. Sportlichen Ama! teuren kann man im Gebirge mit tragbaren
Kurzwellengeräten begegnen, andere wiederum laufen im Wald herum und jagen
mit Peilempfängern den « Fuchs » , das heisst einen versteckten Sender.
Waghalsige gehen auf Funkexpeditionen in möglichst
abgelegene Regionen wie unerforschte Inseln oder driftende Eisberge, während
sich visuell veranlagte Stubenhocker vielleicht in Amateurfernsehen üben.
Wer ein Flair für höhere Frequenzbänder entwickelt, dem stehen für weite
Verbindungen eigene Amateursatelliten zur Verfügung.
Seit 1961 haben Amateure mehr als 40 spezielle Satelliten
konstruiert und für den Start vorbereitet. Möglich sind
auch direkte Funkkontakte zu Raumstationen wie ISS oder Space Shuttles,
wo immer auch mal aktive Astronauten/ Funkamateure mitfliegen. Eine aufwändige,
aber interessante Spezialität sind Funkkontakte, bei denen der
Mond als Relais benützt wird. Längst hat natürlich der Computer
im Shak Einzug gehalten. Sei es für die Verbindungskon! trolle oder den
Datenverkehr. Auch Voiceover- IP ( VoIP) ist
in einer speziellen Version aktuell. Das Echolink- Netz
dient den Amateuren für Sprechfunkverbindungen auch ohne Antenne. Verbindungen
laufen dann zum Beispiel vom heimischen PC zum Amateur am PC in Tokio
und/ oder über ein dortiges Relais auch an andere Amateure. Amateurfunker
sind an vorderster Front der Kommunikationstechnologie dabei, haben in
den vergangenen Jahrzehnten Entwicklung mitgeprägt und die Globalisierung
längst realisiert drahtlos und manchmal auch von Angesicht
zu Angesicht. Im Herbst fand ein
Kongress der International Amateur Radio Union (IARU) mit 150 Delegierten
aus Europa, Afrika, dem Mittleren Osten und Nordasien in Davos statt,
organisiert von der Union der Schweizer Kurzwellen- Amateure (USKA).
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